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Als Führungskraft durch die Krise

Die Deutsche Akademie für Pädagogische Führungskräfte steigt auch in das Feld der Online-Fortbildungen ein. Eine der ersten Veranstaltungen: ein halbtägiger Online-Workshop am 8. Juni 2020 von Robert Erlinghagen zum Thema „Als Führungskraft durch die Krise“. Weitere Informationen finden Sie hier.

Das Wort „Folgen“ hat für viele Menschen einen negativen Beigeschmack. Es wird schnell als Einschränkung der persönlichen Freiheit und Individualität gesehen, als Unterwerfung oder gar als erster Schritt in Richtung blinden Gehorsams.

„Führen“ wird auch kritisch beäugt, gilt aber als sexy.

Dabei wird oft übersehen, dass Führen und Folgen zwei Seiten derselben Medaille sind. Wenn Du führst, aber niemand Dir folgt, führst Du nicht. Führende sind auf Folgende angewiesen. Und Folgende haben deshalb Mitverantwortung für das Gelingen von Führung.

Derzeit bekommen in der Corona-Debatte all diejenigen besonders viel Aufmerksamkeit, die sich mit teilweise irrwitzigen Vorwürfen lautstark gegen politische Führungsentscheidungen auflehnen. Dabei gehen leider all diejenigen ein wenig unter, die ihren Beitrag zur Bewältigung der Krise leisten, indem Sie sehr souverän und selbstbewusst, kritisch und reflektiert, eigenständig denkend und trotzdem am Gemeinwohl orientiert den Handlungsempfehlungen und politischen Entscheidungen Folge leisten – und dafür auch persönliche Einschränkungen in Kauf nehmen. Followership at its best.

Es wäre zu wünschen, dass sowohl in der Gesellschaft als auch in Unternehmen und Organisationen dieser wesentliche Beitrag des Followerships zum Gelingen des Ganzen mehr gewürdigt, unterstützt und systematisch gefördert wird. Denn Followership in diesem Sinne braucht Mut, die Bereitschaft Mitverantwortung zu übernehmen, eine ethische Grundhaltung und Kommunikationsgeschick. Wir brauchen nicht nur Konzepte für Leadership, sondern für Leadership und Followership.

P.S.: mindshaker hat dazu schon einiges veröffentlicht, z.B.

COVID 19 fordert Opfer. Das ist furchtbar. Die Pandemie verlangt manchen Berufsgruppen alles ab, andere sind eher gelangweilte Beobachter. Das ist ungerecht. In Deutschland wird die ökonomische Krise bislang durch erhöhte Staatsausgaben abgefedert. Das ist nicht erfreulich und keine dauerhafte Lösung. Andere Staaten sind durch die Pandemie deutlich schlimmer gebeutelt oder werden wohl erst in einigen Wochen mit Wucht davon getroffen werden. Das ist schrecklich. Und natürlich gehen die Einschränkungen an unserer Psyche nicht spurlos vorbei, manche leiden akut. Was das langfristig bedeutet, wird man noch sehen.

Und trotzdem: In ganz stillen Momenten wünsche ich mir manchmal, dieser Ausnahmezustand würde uns noch ein wenig erhalten bleiben – als Gelegenheit, einmal inne zu halten.

Bildlich gesprochen hat uns die Vollbremsung auf der Autobahn des Arbeitslebens ordentlich durchgeschüttelt. Wir sehen die Rettungskräfte bei der Arbeit und versuchen zu erkennen, was den Stau verursacht hat und wie lange es sich wohl noch ziehen wird. Doch die Frage ist, ob wir jetzt, wo der Aufprall fürs Erste vermieden wurde, einfach wieder Gas geben und versuchen, uns am Hindernis vorbeizuschlängeln, um dann möglichst rasch wieder mit Vollgas zu fahren.

Vielleicht wäre es klüger, sinnvoller und auch für die Seele besser, einmal anzuhalten, auszusteigen, durchzuatmen, sich die Umgebung anzuschauen und zu überlegen, wie oder ob wir die Fahrt fortsetzen wollen. Vielleicht wäre es ja viel angenehmer, die Autobahn zu verlassen. Oder ein ganz anderes Fahrtziel zu wählen.

Die Zeit ist vermutlich zu kurz, als dass ein wirklich grundsätzliches Nachdenken über viele Themen schon eingesetzt hätte, für die die aktuelle Situation eigentlich eine Steilvorlage liefert: Welche Arbeiten und Tätigkeiten haben einen zu niedrigen, welche einen zu hohen gesellschaftlichen Stellenwert? Wieviel Konsum brauchen wir? Wieviel Mobilität wollen wir? Wie können wir den Zusammenhalt stärken? Was würden wir tun, wenn uns die Zeit dafür geschenkt würde? Das sind alles keine neuen Fragen. Aber es sind plötzlich keine abstrakten Gedankenspiele mehr, sondern wir machen hierzu reale Erfahrungen. Und auch für Unternehmen und Berufstätige kann die Vollbremsung so zu einem Geschenk werden: Einem Geschenk, das in der intensiven Auseinandersetzung mit der Frage besteht: Wofür wollen wir stehen? Was ist mir, was ist uns wirklich wichtig?

Ich glaube, wir könnten es irgendwann zutiefst bedauern, wenn wir das nach Corona einfach abhaken und so weitermachen wie zuvor.

PS: Kleiner Werbeblock – das muss an dieser Stelle einfach sein: Genau dafür ist Coaching da – für gründliches Nachdenken.

Als Führungskraft durch die Krise – z.B. mit Hilfe von Krisencoaching

Die Corona-Pandemie und die enormen Einschränkungen des öffentlichen und wirtschaftlichen Lebens stellen uns vor ungekannte Herausforderungen. Wir ahnen oder erleben bereits, dass die aktuelle Krise tiefgreifende Veränderungen mit sich bringen wird. Wir können aber noch keineswegs absehen, wie die Welt in zwei Wochen, zwei Monaten oder zwei Jahren aussehen wird. Nur eins ist sicher: dass vieles gerade unsicher ist.

Klar ist allerdings auch, dass es erfolgreiche und weniger erfolgreiche Methoden gibt, Krisen zu verarbeiten. Sich Unterstützung durch Krisencoaching zu suchen, ist eine erfolgreiche Methode zur Krisenbewältigung.

Krisen haben immer zwei Ebenen: die reale Gefahr bzw. Herausforderung und die emotionale Bewertung und Reaktion.

Prinzipiell reagieren Menschen auf Bedrohungen zunächst instinktiv. Oft erst durch Verleugnung, und wenn die Bedrohung akut wird und nicht mehr zu leugnen ist, durch Kampf, Flucht oder Schockstarre. Erst mit Verzögerung setzt rationale Krisenbewältigung ein. Manchmal zu spät. Manchmal auch gar nicht. In der Steinzeit waren die spontanen Reaktionen angemessene Verhaltensmuster – und auch heute können es wichtige Überlebensimpulse sein. Doch für den Umgang mit eher abstrakten Gefahren ist es unklug, sich nur auf seine Instinkte zu verlassen. Angst ist kein guter Ratgeber.

Angst ist außerdem unproduktiv. Angst kann lähmen und zu Passivität führen. Oder zu Aktionismus – unfokussierter Beschäftigung als Vermeidungsstrategie.

Es ist besser, die Bedrohungen und Risiken genau zu analysieren.

Es ist erfolgversprechender, seine Möglichkeiten und Ressourcen abzuwägen.

Es ist professioneller; sein Handeln zielgerichtet zu planen.

In Zeiten wie diesen sind Führungskräfte besonders gefordert. Sie übernehmen Verantwortung, treffen schwierige Entscheidungen. Drei Dinge können dabei helfen:

  1. Gut für sich selbst sorgen, die eigenen seelischen Belastungen gut verarbeiten. Jede und jeder hat seine eigenen Wege, um sich seelisch zu entlasten. Manche machen Sport, andere musizieren. Für einige ist die Familie ein wichtiger Rückhalt. Und wieder andere machen gar nicht oder lesen Bücher. Wenn all das nicht reicht, dann kann ein Coaching eine gute Möglichkeit sein, für sich selbst zu sorgen und den Kopf klar zu bekommen. Das Gespräch mit einem Außenstehenden, der genau zuhört und die richtigen Fragen stellt.
  2. Sich austauschen und Ideen und Unterstützung von anderen bekommen, die in einer ähnlichen Lage sind. Eine Krise lässt sich immer leichter bewältigen, wenn man seine Kontakte nutzen kann. Zum einen kann man meist beobachten, dass andere auch mit Schwierigkeiten zu kämpfen haben und vor ähnlich komplizierten Entscheidungen stehen. Zum andern ergeben sich im Austausch oft Gelegenheiten, Ideen, Kontakte, die man allein nicht gehabt hätte.
  3. Sich über den eigenen Kompass vergewissern. Manchmal hat man in der Krise keine Zeit zum Nachdenken, manchmal hat man plötzlich ganz viel Zeit dafür. Beides ist nicht ideal und verleitet zu Aktionismus. Deshalb ist es wichtig, sich in krisenhaften Situationen immer mal wieder zu vergewissern: Was sind meine Leitprinzipien? Wie treffe ich Entscheidungen? Wie vermittele ich sie? Dabei sind manche Erkenntnisse der Verhaltensökonomie nützlich. Denn unsere Entscheidungen unterliegen manchmal verzerrten Wahrnehmungen. So suchen wir oft z.B. unbewusst nur nach Informationen, die ohnehin unsere Meinung bestätigen (Bestätigungsfehler) oder wir ziehen willkürlich Schlüsse zwischen vermeintlichen Ursachen und vermeintlichen Wirkungen (Kausalfehler).

Für rationale Krisenbewältigung ist der Austausch mit anderen elementar. Austausch eröffnet Perspektiven, löst uns aus festgefahrenen Mustern und fängt uns emotional auf. Wir sind nicht allein. Allerdings nur, wenn dieser Austausch lösungsorientiert bleibt, gut strukturiert wird und von einem Grundgefühl von Vertrauen in die jeweiligen Fähigkeiten getragen ist. Genau das leistet Krisencoaching. Coaching ist getragen von einer emotional auffangenden, vertrauensvollen, lösungsorientierten Grundhaltung. Ist dies nicht gegeben, kann Austausch auch Angst verstärken, eine Abwärtsspirale in Gang setzen und Probleme noch größer erscheinen lassen.

Krisencoaching wirkt deshalb stabilisierend. Es mindert die emotionale Belastung und stärkt das Vertrauen in die eigenen Handlungsmöglichkeiten. Es grenzt scheinbar grenzenlose Problemlagen ein und schafft eine bessere Grundlage für Entscheidungen. Es unterstützt bei der Umsetzung. Und es hilft generell dabei, mit sich selbst in einer Krisensituation achtsam umzugehen.

Held oder Feigling – oder… was?

Wir sind derzeit alle zu Hause, die ganze Kernfamilie. Und: #WirBleibenZuhause. Das heißt, wir unterstützen all diejenigen, die derzeit die Grundversorgung, die medizinische Versorgung sowie die Sicherheit aufrecht erhalten. Indem wir uns einschränken, versuchen wir, anderen keine unnötige Arbeit zu verursachen. Das ist nicht sehr heldenhaft im Vergleich zu dem, was andere gerade tun. Außerdem muss ich gestehen, dass die Welt da draußen bei mir Beklommenheit auslöst. Eine unsichtbare Bedrohung. Der Kontakt mit anderen ist alles andere als ungezwungen. Alle beobachten sich gegenseitig, halten Abstand, machen einen Bogen – oder eben gerade nicht. Entspannt ist anders. Perfekte Zeiten, um paranoid zu werden.

Nun halte ich mich aber nicht für einen Paranoiker, auch nicht für einen Sicherheitsfanatiker, sondern für jemanden, der versucht, sich vernünftig an Regeln zu halten, die ihm einleuchten. Und es ärgert mich, dass mir und uns von manchen zurückgespiegelt wird, wir würden es mit unserer Vorsicht doch arg übertreiben. Es ärgert mich sogar sehr. Nun – wenn es mich so sehr ärgert, dann trifft es vielleicht einen Punkt: Bin ich etwa ein Feigling?

Prinzipiell gibt es drei Möglichkeiten, instinktiv auf Bedrohungen zu reagieren: Weglaufen (Flucht), sich der Gefahr entgegen stellen (Kampf), oder sich einigeln (Erstarren). Unser Hirn muss in der Regel einiges an Arbeit leisten, um diese spontane Reaktion vernünftig zu überdenken, und dann eventuell alternative Handlungsweisen zu entwickeln. So kann der fliehende „Feigling“ auch zurückkehren, und den Kampf aufnehmen. Der streitbare „Held“ besorgt sich eine Schutzausrüstung. Und der erstarrte Igel checkt die Lage und sondiert, wann er sich sinnvollerweise bewegen sollte.

Nun müssen auch wir ab und zu Lebensmittel einkaufen. Dann stellt sich die Frage: Wer macht’s? Als Familienvater ist es mein erster Impuls, mich „schützend vor meine Familie zu werfen“ und zu sagen: Natürlich fahre ich. Hier kann ich ja wohl mal Held sein. Nun habe ich aber auch einen Sohn mit Führerschein, der anbietet, das zu übernehmen. Und ältere Verwandtschaft, die sich – obwohl Risikogruppe – standhaft weigert, sich unterstützen zu lassen. Da wäre es ja eher vorbildlich, wenn auch ich mir von jemand Jüngerem helfen lasse. Was also tun?

Kürzlich lief im Fernsehen ein Film, „Höhere Gewalt„, über eine Familie im Skiurlaub, die nur knapp einem Lawinenunglück entgeht. Im Moment der Gefahr kümmert sich die Mutter instinktiv um ihre beiden Kinder, während der Vater fortläuft. Nachdem die Gefahr gebannt ist, kehrt der Vater zur Familie zurück und alle tun so, als ob nichts geschehen wäre. Der Film lebte anschließend von der Spannung, wie die Familie damit klarkommt, dass in einem existenziellen Moment solch unterschiedliche Überlebensinstinkte zu Tage getreten sind.

Solche Momente erleben wir auch gerade, im Kleinen wie im Großen. Es ist klug, nicht einfach darüber hinwegzugehen. Solche Momente haben das Zeug uns langfristig zu beschäftigen.

Beim Einkaufen gibt es nun folgende Möglichkeiten:

  1. den Sohn fahren lassen, und sich dabei entweder ohnmächtig, wie ein Feigling oder Paranoiker zu fühlen – oder dies als vernünftige Entscheidung zu betrachten, die nicht nur im eigenen Interesse ist, sondern auch im Sinne der ganzen Familie und der Gesellschaft.
  2. selbst losfahren, und sich dabei entweder als Retter und Held fühlen, der furchtlos und unverwundbar hinaus in die Welt zieht – oder dies als vernünftige Entscheidung zu betrachten, weshalb man dann auch beim Einkaufen vernünftiges Verhalten zeigt (Abstand hält und z.B. einen Mundschutz trägt, selbst wenn man dafür schief angeschaut wird).
  3. sich als Vater mit seinem Sohn abwechseln,  um Risiko und „Heldenstatus“ gerecht zu verteilen – und zugleich versuchen, daraus keinen Wettbewerb entstehen zu lassen.
  4. gemeinsam fahren, ebenfalls um Risiko und „Heldenstatus“ untereinader gerecht zu verteilen – aber dabei zugleich das Gesamtrisiko zu erhöhen
  5. sich liefern lassen, das Problem auf andere abzuwälzen, dabei aber zugleich auf jeglichen Anteil an „Heldentum“ zu verzichten.

Richtig überzeugend finde ich nichts davon. Es scheint mir allerdings ein Merkmal dieser Krisenzeit zu sein, das plötzlich auch Kleinigkeiten ethisch aufgeladen sein können und uns irritierende Dilemmata bereiten.

Nur eins scheint klar: Wir brauchen vernünftige Helden, vernünftige Feiglinge und vernünftige Igel. Und wahrscheinlich kann jeder von uns mal das eine, mal das andere und mal das dritte sein.

Wie im U-Boot – Tipps für das Homeoffice von einem Experten des Lebens auf engstem Raum

Homeoffice war lange der Herzenswunsch vieler Berufstätiger, die sich nach mehr Freiheit, Selbstbestimmung und Flexibilität gesehnt haben. Aktuell wird Homeoffice in das genaue Gegenteil verkehrt. Freiheit? Selbstbestimmung? Eher die Gefahr von Isolation und Lagerkoller.

Im Internet kursieren gerade eine Reihe interessanter Tweets eines ehemaligen U-Boot-Fahrers, von dessen Erfahrungen des Lebens und Arbeitens auf engstem Raum wir vielleicht profitieren können. (Dank an den Podcast von Jan Böhmermann und Oli Schulz, dem ich diesen Hinweis entnommen habe, eine Zusammenfassung bietet der Independent.)

Hier die Alltagstipps aus dem Twitter-Account: Schaffe Dir eine Routine, erhalte Dir Privatsphäre, iss regelmäßig, trainiere, mach sauber, bleib in Kontakt mit der Außenwelt und bewahre Dir eine Zukunftsperspektive.

Tipp 1: Routine

Tipp 2: Privatsphäre

Tipp 3: Essen

Tipp 4: Training

Tipp 5: Sauber machen

Tipp 6: In Kontakt bleiben

Tipp 7: Eine Zukunftsperspektive bewahren („Es wird vorüber gehen…“)