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In unübersichtlichen Zeiten wie diesen sind Führungskräfte besonders gefordert. Sie übernehmen Verantwortung, treffen schwierige Entscheidungen, ohne alle Konsequenzen abschätzen zu können.
Drei Dinge können dabei helfen:

  • Gut für sich selbst sorgen, die eigenen seelischen Belastungen gut verarbeiten.
  • Sich die Erwartungen verdeutlichen, die andere an einen stellen
  • Den eigenen Kompass justieren: Was sind meine Leitprinzipien? Wofür will ich einstehen?

Für www.schulverwaltung.de hat Robert Erlinghagen ein Online-Seminar erstellt mit vielerlei Anregungen, den eigenen Kompass zu überprüfen. Sie erhalten Know-how aus der Psychologie und der Verhaltensökonomie und lernen Modelle kennen, die in Zeiten der Ungewissheit Orientierung geben können.

Sie lernen:

  • was das Besondere an einer krisenhaften Situation ist
  • welche Rolle und Aufgabe Führungskräften in der Krise zukommt
  • welche typischen Reaktionen Krisen auslösen und wie man damit am besten umgeht
  • wie Sie die Chancen, die in einer Krise stecken, nutzen können

Alle weiteren Informationen und das Video finden Sie hier.

Die Katholische Hochschule Mainz bietet ab dem 21.9.20 eine Online-Weiterbildung für Leitungsteams und Führungskräfte von Sozialunternehmen sowie aus dem Gesundheits- und Bildungsbereich an: „Zwei Schritte vor, keiner zurück? Von der Krisenbewältigung zur Zukunftsgestaltung“.

Daniel Piontek (dreheffekt) und Robert Erlinghagen (mindshaker) bieten in dieser Veranstaltungsreihe einen Raum, um die Veränderungen der letzten Monate zur reflektieren, eine Bestandsaufnahme vorzunehmen und Konsequenzen für die Personal- und Organisationsentwicklung zu ziehen. Ausführliche Informationen und die Möglichkeit zur Online-Anmeldung finden Sie hier.

Lockdown, Wirtschaftseinbruch, Infektionsschutz – das sind für Unternehmen und Führungskräfte nicht nur organisatorische und ökonomische Herausforderungen. Krisenbewältigung ist auch eine Frage der Gesundheit und mentalen Belastbarkeit. Im Rahmen der kostenlosen Telefon-Fortbildungen der Landeszentrale für Gesundheitsförderung Rheinland-Pfalz e.V. bietet mindshaker am Mittwoch 5. August 2020 von 12 bis 13 h einige Ideen und Tipps zum Thema „Durch die Krise führen – kollektive Krisenerfahrungen verarbeiten und Chancen im Arbeitsalltag nutzen“. Alle Informationen zum Netzwerk für Betriebliches Gesundheitsmanagement Rheinland-Pfalz und zur Einwahl in die Telefon-Fortbildung finden Sie bei der LZG RLP.

Wann, wenn nicht jetzt? Diese Frage inspirierte Doscha Sandvoß, Jochen Leeder und Robert Erlinghagen zur Entwicklung eines neuen digitalen Fortbildungsangebots, ein Webcamp zur Schulentwicklung am 29. Juni 2020 mit Inspirationen für den Start ins neue Schuljahr.

Die Idee

Ein ungewöhnliches Schuljahr geht zu Ende. Unübersichtlich. Mit vielen Überraschungen, schnellen Entscheidungen, Mut zur Improvisation und bemerkenswerten Veränderungen.

Da blieb oft gar nicht viel Zeit zum Nachdenken. Doch spätestens jetzt stellt sich die Frage: Welche Schlüsse ziehen Sie aus den Erfahrungen der vergangenen Monate? Welche positiven Entwicklungen haben sich an Ihrer Schule eingestellt? Was wollen Sie auf jeden Fall – Corona hin oder her – im nächsten Schuljahr weiterverfolgen? Und was soll sich nicht verfestigen und Ausnahme bleiben?

Das Angebot

Das Webcamp zur Schulentwicklung bietet Ihnen Inspirationen durch Impulse und kollegialen Erfahrungsaustausch. Es richtet sich an schulische Führungskräfte, die mit Schwung die Chancen zur Schulentwicklung nutzen wollen, die sich durch die tiefgreifenden Veränderungen der letzten Wochen aufgetan haben: Welche Erkenntnisse wollen Sie für die Unterrichtsentwicklung aufgreifen? Welche für die Organisation Ihres Kollegiums? Und welche für die Kommunikation mit den Eltern?

Die Impulse

  • Wie bleibe ich in Zeiten der Corona Pandemie als Schulleitung agil und produktiv mit IServ und digitalen Tools? (Jochen Leeder)
  • Auf zu neuen Ufern – (wie) können Steuergruppen die gerade sehr unruhige See für Schul- und Unterrichtsentwicklung nutzen? (Doscha Sandvoß)
  • Da geht was. Führung in Zeiten des Umbruchs (Robert Erlinghagen)

Alle Infos zum Inhalt und den Anmeldemöglichkeiten finden Sie hier. Das Webcamp ist eine Veranstaltung des regionalen Medienzentrums Gießen-Vogelsberg und daher auf dessen Einzugsbereich beschränkt.

Spätestens Corona hat uns gelehrt, dass Anpassungsfähigkeit für Organisationen nicht nur dann ein Thema ist, wenn sie im ökonomischen Wettbewerb stehen und um flatterhafte Kunden werben. Auch andere Einflussfaktoren sorgen dafür, dass in Organisationen jeglicher Art Veränderung längst zum Dauerzustand geworden ist. So wird Agilität auch in der Jugendhilfe schon länger diskutiert. In der jüngsten Ausgabe der Zeitschrift „Evangelische Jugendhilfe“ skizziert Robert Erlinghagen, was beim Schlagwort Agilität bloße Mode und was sachlich begründete Inspirationsquelle für die Organisationsentwicklung ist.

Erlinghagen, Robert: Überall Agilität, in: Evangelische Jugendhilfe, 3 (2020) S. 136-145

Die Firma Beichler Kälte- und Klimatechnik GmbH und die Agentur glückskind aus Steinebach an der Sieg nutzten im Frühjahr die Kompaktworkshops von mindshaker zur Fortbildung in Sachen Führung und Kommunikation.

Beide Unternehmen sind ebenso wie mindshaker Mitglied im regionalen Netzwerk für Betriebliches Gesundheitsmanagement, BGaktiv. Vor wenigen Tagen erhielten die Geschäftführungen von Beichler und glückskind nun von der Netzwerkkoordinatorin Anna Kötting das Netzwerk-Logo überreicht, eine Auszeichnung für jene Betriebe, die gesundheitserhaltende sowie -fördernde Maßnahmen innerhalb des Netzwerkes umsetzen und sich aktiv um die Gesundheit und das Wohlbefinden der Mitarbeiter*innen kümmern.

Als Führungskraft durch die Krise

Die Deutsche Akademie für Pädagogische Führungskräfte steigt auch in das Feld der Online-Fortbildungen ein. Eine der ersten Veranstaltungen: ein halbtägiger Online-Workshop am 8. Juni 2020 von Robert Erlinghagen zum Thema „Als Führungskraft durch die Krise“. Weitere Informationen finden Sie hier.

Wenn sich eines in den letzten Tagen deutlich gezeigt hat, dann ist es die Notwendigkeit, dass wir alle noch besser mit Nicht-Wissen und Ambivalenzen umzugehen lernen. Oder anders formuliert: Die Welt braucht Coaching und Supervision.

Wenn sie nicht so gefährlich wären und zu gewalttätigen Übergriffen führten, könnte man sich über einige der aktuell kursierenden Verschwörungstheorien ja regelrecht kaputtlachen. Doch der wachsende Zuspruch, den diese kruden Geschichten derzeit bekommen, löst eher Beklommenheit, Ratlosigkeit, teilweise auch Wut aus. Wut deshalb, weil Verschwörungstheoretiker jeden vernünftigen Menschen strukturell immer in die Defensive treiben und bar jeden Zweifels das Recht für sich beanspruchen, einem die Welt erklären zu können. Widerspruch zwecklos. Gegenargumente ebenso. Und nachdenkliche Fragen dringen gar nicht mehr durch.

Genau das unterscheidet Verschwörungstheorien auch von sachlicher Kritik an politischen Entscheidungen: der Mangel an Selbstzweifel. Vollends absurd sind dann Angriffe auf „die Wissenschaftler“, weil diese ja ständig ihre Meinung änderten. Und dieser Vorwurf kommt nicht einmal nur aus der Ecke der Verschwörungstheoretiker, er kommt auch aus der Mitte der Gesellschaft.

Dabei ist genau das der Kern von Wissenschaft: die Bereitschaft, eine als falsch erkannte Theorie aufzugeben und sich von guten Belegen und Argumenten überzeugen zu lassen. Im Moment stellen wir fest, dass genau das vielen Menschen schwer fällt: eine Meinung zu ändern, wenn sich neue Erkenntnisse auftun.

Doch der Umgang mit Nicht-Wissen und Ambivalenzen verlangt uns sogar noch mehr ab, nämlich die Erkenntnis, dass wir erstens jederzeit nur über ein begrenztes Wissen verfügen können, also nie zu einer absoluten Wahrheit gelangen werden und dass zweitens jederzeit auch das genaue Gegenteil dessen, was wir für richtig halten, ebenso richtig sein kann. „Ich weiß, dass ich nicht weiß“ und „Sowohl-als-auch“ forever.

Als Coach ist dies eine berufliche Grundhaltung: Mein Wissen ist begrenzt und das Gegenteil dessen, was ich gerade denke, kann auch wahr sein. Wir arbeiten mit Hypothesen und müssen jederzeit die Bereitschaft aufbringen, uns von solchen Hypothesen wieder zu verabschieden. Da ähnelt unsere Arbeit der von Wissenschaftlern. Das ist manchmal nicht leicht. Auch als Coach zimmert man sich Weltbilder und hat Überzeugungen. Manchmal verliebt man sich auch in ein Erklärungsmuster, weil es so schön zu passen scheint. Oder auch, weil man sich damit als originell, besonders kreativ oder gebildet inszenieren kann. Und man will auch nicht haltlos erscheinen. Aber im Zweifelsfall ist genau das die Kunst: sich von seinen eigenen inneren Landkarten zu lösen, um sich auf die spezifische Situation einzulassen, um die es im Coaching gerade geht.

Coachings und Supervisionen leben davon, den Umgang mit Ambivalenzen, mit Nicht-Wissen zu fördern und zu unterstützen. Verschiedene Perspektiven auf ein und dieselbe Frage einzunehmen. Unterschiedliche Standpunkte zu erkennen und nebeneinander stehen zu lassen. Dem Wunsch nach Eindeutigkeit zu widerstehen, weil er der Sache nicht gerecht wird.

Diese Welt braucht definitiv mehr Wissenschaft – und mehr Coaching und Supervision. Da kann man das Zweifeln und das Sowohl-als-auch lernen, das wir derzeit dringend benötigen.

Als Führungskraft durch die Krise – z.B. mit Hilfe von Krisencoaching

Die Corona-Pandemie und die enormen Einschränkungen des öffentlichen und wirtschaftlichen Lebens stellen uns vor ungekannte Herausforderungen. Wir ahnen oder erleben bereits, dass die aktuelle Krise tiefgreifende Veränderungen mit sich bringen wird. Wir können aber noch keineswegs absehen, wie die Welt in zwei Wochen, zwei Monaten oder zwei Jahren aussehen wird. Nur eins ist sicher: dass vieles gerade unsicher ist.

Klar ist allerdings auch, dass es erfolgreiche und weniger erfolgreiche Methoden gibt, Krisen zu verarbeiten. Sich Unterstützung durch Krisencoaching zu suchen, ist eine erfolgreiche Methode zur Krisenbewältigung.

Krisen haben immer zwei Ebenen: die reale Gefahr bzw. Herausforderung und die emotionale Bewertung und Reaktion.

Prinzipiell reagieren Menschen auf Bedrohungen zunächst instinktiv. Oft erst durch Verleugnung, und wenn die Bedrohung akut wird und nicht mehr zu leugnen ist, durch Kampf, Flucht oder Schockstarre. Erst mit Verzögerung setzt rationale Krisenbewältigung ein. Manchmal zu spät. Manchmal auch gar nicht. In der Steinzeit waren die spontanen Reaktionen angemessene Verhaltensmuster – und auch heute können es wichtige Überlebensimpulse sein. Doch für den Umgang mit eher abstrakten Gefahren ist es unklug, sich nur auf seine Instinkte zu verlassen. Angst ist kein guter Ratgeber.

Angst ist außerdem unproduktiv. Angst kann lähmen und zu Passivität führen. Oder zu Aktionismus – unfokussierter Beschäftigung als Vermeidungsstrategie.

Es ist besser, die Bedrohungen und Risiken genau zu analysieren.

Es ist erfolgversprechender, seine Möglichkeiten und Ressourcen abzuwägen.

Es ist professioneller; sein Handeln zielgerichtet zu planen.

In Zeiten wie diesen sind Führungskräfte besonders gefordert. Sie übernehmen Verantwortung, treffen schwierige Entscheidungen. Drei Dinge können dabei helfen:

  1. Gut für sich selbst sorgen, die eigenen seelischen Belastungen gut verarbeiten. Jede und jeder hat seine eigenen Wege, um sich seelisch zu entlasten. Manche machen Sport, andere musizieren. Für einige ist die Familie ein wichtiger Rückhalt. Und wieder andere machen gar nicht oder lesen Bücher. Wenn all das nicht reicht, dann kann ein Coaching eine gute Möglichkeit sein, für sich selbst zu sorgen und den Kopf klar zu bekommen. Das Gespräch mit einem Außenstehenden, der genau zuhört und die richtigen Fragen stellt.
  2. Sich austauschen und Ideen und Unterstützung von anderen bekommen, die in einer ähnlichen Lage sind. Eine Krise lässt sich immer leichter bewältigen, wenn man seine Kontakte nutzen kann. Zum einen kann man meist beobachten, dass andere auch mit Schwierigkeiten zu kämpfen haben und vor ähnlich komplizierten Entscheidungen stehen. Zum andern ergeben sich im Austausch oft Gelegenheiten, Ideen, Kontakte, die man allein nicht gehabt hätte.
  3. Sich über den eigenen Kompass vergewissern. Manchmal hat man in der Krise keine Zeit zum Nachdenken, manchmal hat man plötzlich ganz viel Zeit dafür. Beides ist nicht ideal und verleitet zu Aktionismus. Deshalb ist es wichtig, sich in krisenhaften Situationen immer mal wieder zu vergewissern: Was sind meine Leitprinzipien? Wie treffe ich Entscheidungen? Wie vermittele ich sie? Dabei sind manche Erkenntnisse der Verhaltensökonomie nützlich. Denn unsere Entscheidungen unterliegen manchmal verzerrten Wahrnehmungen. So suchen wir oft z.B. unbewusst nur nach Informationen, die ohnehin unsere Meinung bestätigen (Bestätigungsfehler) oder wir ziehen willkürlich Schlüsse zwischen vermeintlichen Ursachen und vermeintlichen Wirkungen (Kausalfehler).

Für rationale Krisenbewältigung ist der Austausch mit anderen elementar. Austausch eröffnet Perspektiven, löst uns aus festgefahrenen Mustern und fängt uns emotional auf. Wir sind nicht allein. Allerdings nur, wenn dieser Austausch lösungsorientiert bleibt, gut strukturiert wird und von einem Grundgefühl von Vertrauen in die jeweiligen Fähigkeiten getragen ist. Genau das leistet Krisencoaching. Coaching ist getragen von einer emotional auffangenden, vertrauensvollen, lösungsorientierten Grundhaltung. Ist dies nicht gegeben, kann Austausch auch Angst verstärken, eine Abwärtsspirale in Gang setzen und Probleme noch größer erscheinen lassen.

Krisencoaching wirkt deshalb stabilisierend. Es mindert die emotionale Belastung und stärkt das Vertrauen in die eigenen Handlungsmöglichkeiten. Es grenzt scheinbar grenzenlose Problemlagen ein und schafft eine bessere Grundlage für Entscheidungen. Es unterstützt bei der Umsetzung. Und es hilft generell dabei, mit sich selbst in einer Krisensituation achtsam umzugehen.

Selbstorganisation? Hierarchische Führung? Hmm…

Selbstorganisation ist etwas Großartiges. Als Freiberufler betrachte ich sie schon aus ganz egoistischen Motiven als hohes Gut.

Doch schon lange vor der Corona-Pandemie haben der Kollege Rainer Witzel und ich uns kritisch mit dem Hype um diese Idee auseinander gesetzt, unter anderem mit einem Artikel „Last Exit Selbstorganisation“ sowie einigen Texten über Agilität (in den „Positionen“ sowie im „Coaching-Magaztin„). Selbstorganisation wurde zuletzt fast als Allheilmittel gefeiert: gegen verkrustete Organisationsstrukturen, gegen Frust über Führungshandeln oder als Patentrezept zur Anpassung an verschärften Wettbewerb und die VUKA-Welt. (VUKA steht für: volatil, unsicher, komplex, ambivalent, d.h. für die Vorstellung, dass die Welt auf unterschiedliche Weise immer unübersichtlicher wird.)

Ohne Zweifel kann eine Organisationsentwicklung, die auf Selbstorganisation setzt, nicht nur zweckmäßig sein, sondern auch emanzipatorische Kräfte entfalten. Prinzipiell ist es eine attraktive Vorstellungen, Arbeitsbedingungen zu schaffen, in denen die Menschen so selbstbestimmt wie möglich handeln können.

Doch aktuell sehen wir, wie eigentlich immer wieder im Leben, dass alles seine zwei Seiten hat. Zum Glück und notwendigerweise sind schon immer in Bereichen der Krisenbewältigung die Aufgaben top-down organisiert: Feuerwehr, Notaufnahmen,…. Das fällt einem im Alltag nur nicht so auf. Dezeit allerdings zeigt sich flächendeckend, wie vorteilhaft es sein kann, wenn Entscheidungsketten und Hierarchiestufen klar festgelegt sind und nicht ständig neu verhandelt werden.

Das Wort Selbstorganisation enthält eben auch das Wort Organisation. Und dies beinhaltet, dass viel Zeit und Meta-Kommunikation darauf verwendet wird, wer genau wann wofür die Verantwortung übernimmt. Nur: manchmal hat man diese Zeit und Ruhe eben nicht. Dann ist es gut, wenn jemand Führungsverantwortung übernimmt und top down Entscheidungen trifft, auch wenn sie nicht allen passen.

Die demokratische Verfasstheit unseres Landes ermöglicht es, spätestens im Nachhinein in Ruhe zu prüfen, ob sich die (gewählten) Führungskräfte angemessen und korrekt verhalten haben und ob sie die richtigen Entscheidungen getroffen haben. So ähnlich machen es auch andere Berufsgruppen, z.B. Kriseneinsatzkräfte oder Piloten. Diskutiert und Rechenschaft abgelegt wird im Nachhinein. Bis dahin haben Führungskräfte hier einen Vertrauensvorschuss verdient, so lange sie sich nichts sofort erkennbar Gravierendes zu Schulden kommen lassen.

Platz für Selbstorganisation ist dennoch. Das zeigen all die großen und kleinen Initiativen, die derzeit aus dem Boden sprießen, um kreative Ideen zur Bewältigung des neuen Alltags zu entwickeln und umzusetzen: sei es unter dem Dach des Hackathons „#WirvsVirus“, sei es der lokal organisierte Einkaufsservice z.B. in den Digitalen Dörfern. Selbstorganisation ist hier die Reaktion auf von oben angeordnete restriktive Maßnahmen – und zwar interessanterweise mit dem Ziel, diesen Maßnahmen zum Erfolg zu verhelfen. Nicht subversiv, gegen „die Mächtigen“.

Vielleicht gelingt es uns künftig, die Frage des Verhältnisses zwischen Hierarchie und Selbstorganisation in der Arbeitswelt mit diesen Erfahrungen etwas weniger ideologisch zu beantworten – weder mit dem simplen und gefährlichen Ruf nach „starken Männern“, noch mit einem allzu beliebigen oder verklärten Blick auf Selbstorganisation. Es kommt immer auf den Kontext an.

Bei aller Kritik an Details, an Fehlern der Vergangenheit bei der Organisation des Gesundheitswesens, bei aller Sorge um die wirtschaftliche Zukunft und bei allem Mitgefühl für die unmittelbar Betroffenen: Ich persönlich bin jedenfalls sehr froh zu sehen, wie gut die Institutionen dieses Staates in der Krise bislang funktioneren und wie selbstverständlich die verschiedenen Entscheidungsträger ihre Verantwortung wahrnehmen und bereit sind, schwierige Entscheidungen zu treffen. Respekt.